Bericht: Mit Zukunftsvisionen zu Gast in der Lichtstadt

Für unsere vierte und letzte Diskussionswerkstatt gastierten wir am 10. Oktober im Deutschen Optischen Museum in Jena. Bei der Auswahl unserer Stationen war es uns wichtig gewesen, jeweils zwei Städte aus den alten und aus den neuen Bundesländern zu besuchen, von denen die eine eher als klassische Industriestadt anzusehen ist (Halle und Dortmund), die andere eher als Technologiezentrum (Karlsruhe und Jena). Jena hat die Wende 1989/90 besser überstanden als die meisten anderen Großstädte Ostdeutschlands, was auch damit zusammenhängt, dass die Stadt schon früh eine bedeutende Rolle im Technologiesektor spielte. Der VEB Carl Zeiss Jena war das größte Kombinat der DDR und nirgends schienen Zukunftsvisionen eines auf wissenschaftlich-technischen Fortschritt aufgebautem Sozialismus greifbarer zu sein als hier. Wir hatten uns daher im Vorfeld für den Titel „Zukunftsvisionen der Lichtstadt – Jena und die Arbeitswelt von morgen“ entschieden.

Zu unserer Diskussionswerkstatt geladen waren Dr. Karina Becker vom Kolleg Postwachstumsgesellschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Dörthe Knips, die Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der Jenoptik AG ist, der Historiker Sören Marotz vom DDR Museum in Berlin sowie Tobias Ziegan von der Carl Zeiss GmbH. Leider musste Frau Becker ihre Teilnahme krankheitsbedingt absagen, weswegen wir diesmal in einem etwas kleineren Panel diskutierten.

Besonders freuten wir uns darüber, unsere Veranstaltung im Deutschen Optischen Museum durchführen zu können, dessen Gründungsdirektor Prof. Dr. Timo Mappes auch ein kurzes Grußwort an die Anwesenden richtete. Im Anschluss daran gab es einen etwa 20-minütigen Input von Sören Marotz zu den Zukunftsvorstellungen der Arbeit, wie sie in der DDR in den 1960er und 1970er Jahren verbreitet waren. Gerade bei den nach 1990 geborenen Besucherinnen und Besucher schienen viele der gezeigten Zukunftsvisionen für Überraschung zu sorgen, kannten sie die DDR immerhin nur noch aus Erzählungen.

Die anschließende Diskussion wurde schnell für das Publikum geöffnet und drehte sich vor allem darum, wie gut Jena für die Zukunft aufgestellt ist, was den Erfolg der Stadt und von Unternehmen wie Zeiss und Jenoptik in der Vergangenheit ausgemacht hatte und wie gerade die Nachwuchsförderung besser gestaltet werden könne. Denn Jena hat aktuell weniger Probleme mit Arbeitslosigkeit als vielmehr damit, geeignete Fachkräfte und Auszubildende in technischen Berufen zu finden. Auch bei dieser Diskussionswerkstatt wurde viel über Digitalisierung diskutiert, wobei die Bedeutung von Weiterbildungsmöglichkeiten betont wurde, die es Arbeitskräften ermöglichen, mit dem Wandel der Arbeitswelt Schritt halten zu können.

Für uns war interessant, dass die Diskussionswerkstatt lebhafter abzulaufen schien als die vorangegangenen Veranstaltungen, was mit der späteren Uhrzeit zusammenhängen könnte: Bis dahin hatten all unsere Events sonntagmittags stattgefunden. Für Begeisterung bei den knapp 50 Anwesenden sorgte das Livedrawing, das der Comiczeichner Beetlebum während der insgesamt zwei Stunden anfertigte und dessen Entstehung sich im unteren Video nachverfolgen lässt.

Bedanken möchten wir uns herzlich bei unseren Referent*innen Dörthe Knips, Sören Marotz und Tobias Ziegan, bei Prof. Dr. Timo Mappes und dem Deutschen Optischen Museum, ohne die wir die Veranstaltung nicht hätten durchführen können, sowie bei Beetlebum, der sie so liebevoll aufzeichnete.

 

Leider sind all unsere Bilder etwas unterbelichtet geworden, was natürlich ironisch ist angesichts des Umstands, dass unsere Veranstaltung in einem Museum voller Fotoapparate stattfand – und vor einem Publikum, in dem auch viele Menschen saßen, die hauptberuflich immer bessere Kameralinsen herstellen. Sie geben jedoch hoffentlich einen gewissen Eindruck von unserer letzten Diskussionswerkstatt.

About the author: Andie Rothenhäusler