Interview: „Jeder reale Gegenstand soll zukünftig Teil des IoT sein“

Im Vorfeld unserer Diskussionswerkstatt in Dortmund erhielten alle unsere Referentinnen und Referenten einen Fragekatalog, der zur Vorbereitung des Podiumsgesprächs diente. Nicht alle gestellten Fragen konnten in 90 Minuten abgearbeitet werden; da die Antworten oft spannend waren und auch für uns neue Informationen enthielten, werden wir einige dieser Interviews in den nächsten Wochen und Monaten in unserem Blog veröffentlichen. Das vierte unserer Interviews haben wir mit Alexander Michalik und Christoph Besenfelder von der TU Dortmund geführt, deren Projekt „haptical“ eines der Gewinnerprojekte im Hochschulwettbewerb 2018 war. Herr Michalik und Herr Besenfelder waren mit ihrem „Demonstrator“ auch bei unserer Diskussionswerkstatt und konnten diesen dort einem interessierten Publikum vorführen.

Herr Michalik, Herr Besenfelder, stellen Sie sich und Ihr Projekt doch mal kurz vor – und erläutern Sie uns, was es mit dem Namen „haptical“ auf sich hat.

Haptical ist ein Projekt des Lehrstuhls für Unternehmenslogistik an der TU Dortmund und eines der Gewinnerprojekte des Hochschulwettbewerbs 2018, der das Thema Arbeitswelten der Zukunft hat. Das Projektteam von haptical besteht im Kern aus einer Gruppe von fünf wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeitern; Alexander Michalik, Christoph Besenfelder, Aaron Sowa, Mirco Groll und Frank Linke. Wir werden auch von weiteren wissenschaftlichen Mitarbeitern unseres Lehrstuhls, dem Lehrstuhl für Unternehmenslogistik LFO der TU Dortmund, unterstützt. Darunter sind Pädagogen, Soziologen und Personen aus den potenziellen Zielgruppen für unser Workshopkonzept.

Der Name lässt sich begrifflich aus „haptic“ und „physical“ ableiten, da wir ein Projekt zum Anfassen und hautnah miterleben haben, denn Ziel des Projektes ist es, das Internet der Dinge und die Industrie 4.0 bildlich zu veranschaulichen und im wahrsten Sinne be- und ergreifbar zu gestalten.

Der Begriff „Internet der Dinge“ („internet of things“) wird aktuell oft als Schlagwort verwendet, obwohl nicht alle Menschen wissen, was darunter zu verstehen ist. Wie würden Sie kurz und allgemeinverständlich erklären, was das Internet der Dinge wirklich ist, welches Potenzial es hat und was entsprechende Infrastrukturen so besonders macht?

Das „internet of things“, kurz IoT, kann als Netzwerk verstanden werden, das aus zahlreichen sogenannten smarten Objekten besteht. Diese tauschen sich per M2M (Machine-to-Machine) untereinander aus und kommunizieren auf diese Art und Weise. Jedes intelligente Objekt im IoT ist über eine individuelle Internetadresse identifizierbar und kann so vom Menschen über das Internet angesprochen werden. Der Mensch ist hier zwar für die Steuerung der intelligenten Gegenstände zuständig, aber der Einfluss auf die Objekte ist begrenzt. Mit Hilfe der Verbindung über das Internet sind die smarten Gegenstände in der Lage, selbstständig zu agieren, sich schnell Situationen anzupassen und auf bestimmte Szenarien zu reagieren.

Ziel des IoT ist es, die noch bestehenden Grenzen zwischen realer und virtueller Welt langsam aufzulösen. Jeder reale Gegenstand soll zukünftig Teil des IoT sein und so in der Lage sein, seine Zustandsinformationen in Echtzeit im Internet zur Verfügung zu stellen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Kühlschrank, der seinem Besitzer direkt meldet, wenn der Lieblingskäse fehlt.

Potenziale sind vor allem im Industriesektor zu erkennen. Endbenutzer können die kommunizierten Zustandsinformationen nutzen, um die allgemeine Nutzbarkeit des Gerätes zu verbessern oder auch, um rechtzeitig über notwendige Wartungen oder Ersatzteile informiert zu werden. Diese Fortschritte bringen daher viele Erleichterungen für den Menschen und sein Umfeld.

In Zukunft wird die Arbeitswelt geprägt sein von einer Interaktion mit intelligenten Assistenten, Robotern und künstlicher Intelligenz. Allerdings ist dies noch ein Gestaltungsfeld. Die konkrete Ausprägung für die verschiedensten Branchen ist noch nicht festgelegt und muss aktiv mit der Gesellschaft diskutiert werden, um die zukünftige Rolle des Menschen in der Arbeitswelt zu definieren. Dies bedeutet auch, dass Informationen ohne Zutun des Menschen ausgetauscht werden. Dadurch eröffnen sich viele Potenziale – doch gerade, weil ohne Einbeziehung des Menschen eine Kommunikation stattfindet, entsteht Skepsis: Welchen Inhalt haben ,,Gespräche“ im loT und wer nimmt daran teil? Es fällt schwer Antworten darauf zu finden, da es kaum Möglichkeiten gibt, den „Bits und Bytes“ zuzuhören und somit diese neue Form der Sprache im IoT zu verstehen. Die Folge: Der Informationsfluss bleibt für den Menschen verborgen und es entstehen Berührungsängste.

Die haptisch erfahrbaren smarten Objekte von haptical regen damit die Workshop-Teilnehmer zur Schaffung eigener IoT-Lösungen und damit zur freien Gestaltung eigener menschengerechter Arbeitswelten an.

Was ist es, was Sie mit Ihrem Demonstrator genau zeigen? Wie funktioniert der Demonstrator?

Mit dem Demonstrator unseres Projekts haptical wird der Informationsfluss zwischen smarten Objekten und IT-Systemen grafisch anschaulich dargestellt.

Der Aufbau der interaktiven Lernumgebung besteht aus haptisch erfahrbaren smarten Objekten (3D gedruckte Objekte mit Sensorik angereichert) und der visuellen Projektion derer Umgebung und lnformationsflüssen. Hierbei wird auf handelsübliche Elektronik und Sensorik gesetzt, welche die Interaktion mit der IoT-Umgebung ermöglicht. Dadurch entsteht eine haptische Schnittstelle zwischen realer Welt und der virtuellen Welt jenseits von etablierten indirekten lnteraktionsmöglichkeiten, wie Maus oder Touchscreen. Das heißt, dass der sonst unsichtbare Informationsfluss auf diese Weise sichtbar gemacht wird.

Wir bieten so die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen zu schauen und hautnah und vor allem interaktiv zu erleben, was es eigentlich mit dieser neuen Technologie auf sich hat. Auf diese Weise ist es leicht zu verstehen, dass es auch sichere Wege gibt, die persönlichen Daten im IoT zu übermitteln und zu transportieren. Durch das Erleben des einfachen Aufbaus der smarten Objekte sollen Benutzer zur Gestaltung und Realisierung eigener IoT-Lösungen angeregt werden. Zudem entsteht so ein lernförderliches Umfeld, welches Berührungsängste und Skepsis abbaut und das Mitgestalten der Arbeitswelt der Zukunft ermöglicht. Die Projektergebnisse werden einer breiten Öffentlichkeit über Social Media zugänglich gemacht, indem die durch die Workshop Teilnehmer selbst gestalteten Szenarien der Arbeitswelt der Zukunft geteilt und diskutiert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit haptical gemacht und wie waren die Reaktionen darauf?

Die erstmalige Präsentation von haptical hatten wir auf unserem Sommerfest der TU Dortmund. Hier war es spannend zu sehen, wie Studenten unserem Projekt begegnet sind und was wir vor allem vermitteln konnten. Die Reaktionen waren, trotz noch nicht fertiggestelltem Spielboard, sehr positiv und ermutigten uns weitere Schritte zu gehen. Die tatsächliche Feuerprobe für haptical hatten wir aber dann auf dem Zukunftskongress 2018 des Fraunhofer IML in Dortmund. Wir waren Aussteller in der Digital Sandbox und durften den Teilnehmern des ZuKos unser Projekt mit fertigem Spielboard zeigen und konnten ein paar interessante Kontakte knüpfen und das Netzwerk von haptical erweitern. Ein weiteres aufregendes Event war die Teilnahme an der hier aufgeführten Diskussionswerkstatt in der Arbeitswelt Ausstellung der DASA in Dortmund. An dieser Stelle danken wir noch einmal ausdrücklich dem Team von „Zurück in die Arbeitswelten der Zukunft“ für die gelungene Kooperation. Wir konnten so viel Positives mitnehmen, aber auch noch Optimierungsbedarf an der ein der anderen Stelle feststellen. Für uns heißt es nun, den Tag der offenen Tür der TU Dortmund am 10. November vorzubereiten und das ein oder andere Special mit einzubauen.

Wo geht es für Sie alle nach Ende des Wissenschaftsjahres hin? Haben Sie schon Folgeprojekte nach Haptical im Auge?

Wir hoffen natürlich, dass auch lange nach Wettbewerbsende Interesse an unserem Projekt besteht, denn die investierte Arbeit hat sich bereits für uns ausgezahlt und wir sind wirklich stolz und mit Freude dabei, das Internet der Dinge auf diese Art und Weise der Gesellschaft näher zu bringen. Zukünftig wollen wir mit haptical aber auch im Bereich der Lehre vertreten sein. Einige Ansätze dahingehend haben wir bereits. Durch das Ausbauen unseres Netzwerkes auf dem Zukunftskongress 2018 in Dortmund konnten wir auch ein paar Unternehmen begeistern, die Interesse an einer Kooperation bekundet haben. Es bleibt also spannend und wir lassen uns gerne weiterhin überraschen, wohin die Reise für uns geht.

Der Demonstrator in Aktion

Weblinks

Haptical auf den Seiten des Hochschulwettbewerbs
Haptical auf Twitter

 

About the author: Andie Rothenhäusler